I make Food look pretty – Foodstyling Teil 2: Wie wird man Foodstylist?

Ich muss euch enttäuschen, aber ich glaube, das habt ihr schon geahnt.
Die Antwort auf diese Frage lautet nämlich: es gibt keine.
Es gibt keine Ausbildung zur Foodstylistin, schon gar kein Studium. Es gibt keine Standards, keine Verbände oder Kammern. Es gibt einige Workshops, darunter sowohl Schätze als auch Nieten.
Jeder darf sich Foodstylist nennen.
All dies hat Vor- und Nachteile. In jedem Fall trägt es zur Faszination bei, die der Job der Foodstylisten ausübt und auch die Medien regelmäßig dazu bewegt, über Foodstyling zu berichten.

Und tatsächlich ist es auch so: frage einen Foodstylisten, wie er zu seinem Job gekommen ist, und du hörst zu 99% eine spannende Lebensgeschichte. 
Heute erzähle ich euch meine Erfahrungen mit der Frage: Wie wird man Foodstylist?

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Du hast überhaupt nicht die Voraussetzungen dafür!
Lern erstmal Kochen!
Und damit verdient man Geld?
 
Das sind nur einige der Reaktionen, die ich zu hören bekommen habe, als ich mich entschloss meine Beraterlaufbahn an den Kochlöffel zu hängen.

Ich habe mich mit vielen Foodstylisten unterhalten.
Rat eingeholt, um dann doch alles anders zu machen.
Ein Foodstylist, den ich gefragt habe, was ich denn tun sollte, um Foodstylist zu werden, meinte einmal: Und was, wenn du mal im Job eine ganze Rehkeule zerlegen musst?
Er wollte damit andeuten, dass eine Kochausbildung durchaus zum Handwerk eines Foodstylisten gehört. Nun, es war keine ganze Rehkeule, es war eine ganze Lammkeule und ja, sie hat mich schon ordentlich ins Schwitzen gebracht. Aber ich habe sie zerlegt. Mehr oder weniger fachmännisch, aber am Ende sah sie auf dem Foto perfekt aus und zierte den Titel eines Printmagazins. 
 
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Ich bin das Parade-Beispiel einer Quereinsteigern.
Und irgendwie sind wir das alle. Denn niemand ist mit der Schule fertig und wird Foodstylist. Die meisten Foodstylisten sind ausgebildete Köche. Manche sind Fotografen, die das Styling nach und nach selbst übernommen haben. Andere sind Stylisten, die statt Porzellan, Besteck und Dekoelementen auch angefangen haben, Essen zu stylen. Einige sind Blogger, die ihre Talent so ausgebaut haben, dass sie nun als Foodstylisten arbeiten.
 
Ihr seht, Foodstylisten haben wirklich die verschiedensten Hintergründe. 
Aber wo fängt man an, wenn man sich in den Kopf gesetzt hat, Foodstylist zu werden?
 
Praktikum, Assistenz, Zuschauen, Lernen, Ausprobieren.
 
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Eigentlich fasst diese Aufzählung die Antwort auf die Frage schon zusammen.
Egal was man vorher gemacht hat, der beste Weg ins Foodstyling führt über ein Praktikum oder eine Assistenz bei einem Foodstylisten. Das ist erstmal so gar nicht glamourös, sondern bedeutet Einkaufen, Abspülen, den Arbeitsplatz sauber halten, Aufräumen (glaubt mir, das klingt zwar nicht glamourös, aber ich liebe jeden, der mir dabei hilft, abgöttisch).
Aber auch: zusehen, beobachten, lernen.
Und vor allem selbst ausprobieren.

Das geschieht dann oft nach Feierabend, zuhause oder in einer freien Minute zwischen zwei Jobs.

Nach und nach kommen Aufgaben wie Gemüse vorbereiten, Soßen anmischen oder Salatblätter lackieren (so, ich hab’s gesagt) dazu. Wenn der Foodstylist, dem ihr assistiert, euch vertraut oder gerade selbst zuviel zu tun hat, kann der Sprung ins kalte Wasser auch ganz schnell gehen und dann steht ihr mit Pinzette und Pinsel zwischen Kamera und Teller.

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Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: der Sprung ins kalte Wasser muss sein.
Man kann noch soviel beobachten, zusehen und lernen. Am Ende sieht man sich fast täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert und muss lernen, die Lösung selbst zu finden.
 
Nach und nach übernimmt man immer mehr eigene Jobs und wird sicherer in seiner Arbeit.
Das ist der Punkt, an dem sich die meisten Foodstylisten selbstständig machen. Dann steht man plötzlich auf eigenen Beinen, muss seine Kunden selbst akquirieren, sich Werkzeuge und Arbeitsmaterial zulegen und zu 100% für sich und seine Arbeit gerade stehen. 
Klingt hart?
Ja, manchmal ist Foodstyling ein Knochenjob. An 12-Stunden Tagen, an denen man nicht eine Minute gesessen hat, weil man ständig zwischen Küche und Foto-Aufbau hin und her flitzt, spürt man jeden Knochen.
Man kommt nach Hause und riecht nach Bratfett, Fisch oder sonstigen undefinierbaren Essensgerüchen.
Auf High Heels und Seidenbluse muss man in dem Job verzichten können.
 
Welche Eigenschaften ein Foodstylist noch mitbringen solle, habe ich euch aufgezählt:
 
Foodstylisten sind Köche
Ein guter Foodstylist muss ein guter Koch sein. 
Ich denke, dieser Punkt versteht sich von selbst. Wiegesagt, die meisten Foodstylisten kommen aus der Küche. Es erleichtert die Arbeit eben enorm, wenn man von der Pike auf gelernt hat, wie man Gemüse in Julienne schneidet, einen Fisch filetiert oder eine ordentliche Hollandaise zubereitet. Der Kunde verlässt sich darauf, dass der Foodstylist weiß, welches Gemüse gerade Saison hat, welche Aromen harmonieren oder wie das Rezept für eine klassische Scholle Finkenwerder Art aussieht. Wer Oregano nicht von Petersilie unterscheiden und ein Thunfischsteak nicht auf die Minute braten kann, wird es schwer haben. Jeder Hobbykoch hat schonmal den Satz gehört: In einem Restaurant zu kochen ist etwas vollkommen anderes, als zuhause zu kochen. Stimmt absolut! Aber für Foodstyling zu kochen ist auch etwas vollkommen anderes, als in einem Restaurant zu kochen. 
 

Foodstylisten sind Künstler
Ein guter Koch ist deswegen nicht automatisch auch ein guter Foodstylist. 
Zu dem Job gehört sehr viel mehr dazu. Allem voran: ein Gespür für Ästhetik und ein Auge für Graphik und Bildgestaltung.
Farben, Formen, Arrangement und Komposition sind praktisch das Gerüst, auf dem die Speisen liegen (ich wusste doch, dass mein Kunst-LK irgendwann nützlich sein würde). Dazu gehört eine Menge Fantasie und Vorstellungskraft. Noch bevor ein Foodstylist anfängt, die Zutaten auf dem Teller zu arrangieren, entsteht bereits in seinem Kopf ein Bild von dem fertigen Teller. Das ist wie bei einem Maler, der vor einer weißen Leinwand steht und das fertige Bild bereits vor seinem geistigen Auge sieht. Deswegen: Foodstylisten sind Künstler. Und das sage ich jetzt nicht nur, um das Finanzamt davon zu überzeugen… Es ist ein kreativer, schaffender Beruf. 

Foodstylisten sind Chemiker, Modellbauer und Erfinder
Es gibt Foodstylisten, die in ihrer Küche ein regelrechtes Labor aufgebaut haben und dort mit Chemikalien, Farben und Materialien experimentieren.
Werden im tiefsten Winter Aprikosen für ein Shooting gebraucht, dann bauen sie diese naturgetreu nach. 
Oder muss ein cremiges Eis oder ein Milchschaum beim Filmdreh für Stunden stabil bleiben, experimentieren sie solange, bis sie eine Lösung gefunden haben. Diese Food-Wissenschaftler gehören übrigens zu den gefragtesten der Branche.
 
Foodstylisten sind Unternehmer
Die letzte aber ebenso wichtige Eigenschaft.
Selbst wer alle bisher aufgezählten Eigenschaften besitzt, sich selbst aber nicht managen kann, ist aufgeschmissen. Als Foodstylist ist man in den meisten Fällen freiberuflich selbstständig. Das heißt man kümmert sich von der Vermarktung, Kommunikation, Auftragsakquise, Angebotserstellung, Organisation, Management, Rechnungsstellung, Kontaktpflege, Networking und Buchhaltung um alles. Natürlich holt man sich an der ein oder anderen Stelle Hilfe durch Steuerberater oder Assistenten. Aber auch die muss man mit Informationen versorgen, managen und ha – bezahlen! Ohne Disziplin, innere Motivation sozialer Kompetenz und auch ein bißchen BWL Know How wird auch der beste Foodstylist früher oder später untergehen. 
 
Da ich Medien-, Marketing- und Kommunikationsmanagement studiert habe, weiß ich ein, zwei Dinge über Vermarktung, PR und Unternehmensführung. Trotzdem musste ich mir selbst aneignen, wie ich mich als Selbständige überhaupt organisiere und lerne es bis heute. Ich kenne Foodstylisten die nach zwei Jahren in einem Berg von Schulden standen, weil sie vergessen haben, Steuern zurück zu legen.
Ups. Ja, sollte man wissen. 

 
So, ich hoffe, ich konnte euch den Weg ins Foodstyling ein bißchen näher bringen. Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt mir sehr gerne an blog@foodlovin.de oder hinterlasst mir einen Kommentar.

Im nächsten Teil werfen wir einen Blick in meine Werkzeugkiste!
Ich zeige euch, was ein Foodstylist für die Arbeit alles benötigt. 

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10 thoughts on “I make Food look pretty – Foodstyling Teil 2: Wie wird man Foodstylist?

  1. Liebe Denise, deine Reihe ist so großartig und ich bin dir so dankbar für diese Blicke hinter die Kulisse, die einem sonst verwehrt bleiben. Spannend! Und man bekommt gleich noch mehr Hochachtung vor dem Job, den du und viele andere täglich ausüben. Ich glaube jeder, der Foodfotos macht, weiß wie schwer es manchmal ist, das Essen gut aussehen zu lassen und ist schon mal an einem Gulasch oder einer Lasagne verzweifelt. Deshalb freue ich mich auch ganz besonders auf den nächsten Teil – die Trickkiste! 🙂 Ich danke dir und schicke dir liebe Grüße aus Berlin! Theresa

    1. Vielen vielen Dank Theresa 🙂 Ich freue mich riesig über so positives Feedback!
      An einer Lasagne bin ich aber auch schon verzweifelt 😉

      Ganz liebe Grüße zurück nach Berlin,
      denise

  2. Danke für den interessanten Artikel und den spannenden Einblick 🙂
    Ich würde es nicht beruflich machen wollen, aber für mein Hobby, also bloggen, interessiert mich das natürlich sehr, obwohl ich selbstverständlich keinen Aufwand mit Schäumchen, Sprüherchen etc. betreibe.
    Man möchte ja auch noch was Warmes essen 😉
    Enttäuschend für mich selbst finde ich, wenn das Gericht anders aussieht als geplant und somit das Bild, das ich schon im Kopf hatte, so gar nicht mehr passt. Aber das kommt eben vor und man lernt auch, blitzschnell umzudisponieren.

    Bin gespannt auf die Werkzeugkiste!

    1. Hallo Britta,

      du hast absolut Recht, Foodstyling für den Blog ist nochmal was ganz anderes, als für z.B. die Werbung. Nämlich essbar 😉

      Was du beschreibst ist genau das, was ich meine. Manchmal funktioniert es eben nicht, wie man sich das so ausgemalt hat und dann muss man schnell umdenken können 😉

      Ich freu mich, wenn du zum nächsten Teil wieder vorbeischaust!

      Liebe Grüße,
      Denise

  3. Liebe Denise,

    ein spannender Einblick in deinen Job, danke! Bei vielen Foodfotos (z.B. bei deinen) bleibt mir der Mund offen stehen, weil sie so toll aussehen und ich durchs Bloggen weiß, wie viel Arbeit, Kreativität und Geduld das braucht. Ich selbst verzweifle oft an diesem Punkt. Mir macht es total Spaß, aber wenn ich meine Bilder mit anderen vergleiche, ist da immer ein bisschen Wehmut. Aber ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen 😉
    Ich würde mich freuen, wenn deine Reihe weitergeht, und du uns quasi mal „mitnimmst“ und beschreibst, was du wie und warum so und nicht anders stylst – in einer kleinen Fotoreihe oder so vielleicht.
    Herzliche Grüße aus der „verbotenen Stadt“
    Julia

    1. Hallo Julia,

      was für ein tolles Kompliment 🙂
      Ich find deinen Blog sehr schön, strahlt irgendwie Lebensfreude aus!

      Und du hast absolut Recht, ein Meister ist noch nicht vom Himmel gefallen. Meine älteren Bilder sind wahrlich keine Glanzleistungen 😉

      Die Reihe geht in jedem Fall weiter und deinen Vorschlag mit der Fotoreihe nehme ich gerne mal auf. Vielleicht so ein Step für Step Tutorial. Tolle Idee 🙂

      Danke und liebe Grüße zurück in die schöne Stadt da unten,

      Denise

  4. Hallo Denise, das sind ja tolle Einblicke. Es ist total interessant einen Bericht einer „Insiderin“ zu hören. Vorstellen konnte ich mir allerdings schon immer, dass der Beruf sehr stressig ist… Ich verzweifele teilweise schon an ganz einfachen Dingen und brauch ewig, bis mir ein Food Foto richtig gefällt! Lieben Gruß, Sabrina

    1. Liebe Sabrina,

      klar, der Beruf ist stressig. Wahrscheinlich wie jeder andere auch 😉
      Und die Schnelligkeit und Präzision beim Arbeiten, die erlernt man mit der Zeit. Wie bei allem macht auch hier Übung den Meister!

      Liebe Grüße,
      Danise

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