Restaurant-Tipp: Das Restaurant Victorian in Düsseldorf.

Um sternegekrönte Restaurants rankt sich eine gewisse Mystik.
Sternerestaurants sind teuer, steif und unentspannt. 
Dieser Meinung war ich ja noch nie. Ich finde das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: desto besser das Essen und der Service in einem Restaurant, desto wohler fühle ich mich. Essen und Service sind in einem Sternerestaurant natürlich hervorragend. Ich sehe also keinen Grund, warum ich mich dort nicht wohl fühlen sollte.
Macht Sinn, oder?

foodlovin-eats-victorian

Trotzdem scheint die Hemmschwelle, ein Sternerestaurant zu betreten immer noch da zu sein. Und ich kann es ja auch ein Stück weit nachvollziehen. Der eine fürchtet, nicht angemessen gekleidet zu sein, dem anderen bangt es davor, die falsche Gabel für die Vorspeise zu verwenden, der Dritte befürchtet, mit mangelnden Wein-Kenntnissen negativ aufzufallen.
Ich sage euch aber: entspannt euch und lasst es euch einfach nur schmecken.
Wie köstlich und unverkrampft ein Besuch in einem Sternerestaurant sein kann, habe ich im Restaurant Victorian in Düsseldorf (1 Stern) wieder einmal erlebt.

Ich weiß gar nicht, wann ich das erste mal in einem Restaurant essen war, das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Ich vermute es ist schon länger her und es war mir damals gar nicht bewusst.
Was ich aber schon sehr früh zu schätzen wusste, waren Restaurants in denen einfach alles stimmte. Da habe ich Erinnerungen an hervorragende Chateaux-Restaurants in Frankreich, als ich 16 oder 17 war. An einen hervorragenden Rehrücken in einem Restaurant mit weißen Tischdecken und Silberbesteck als ich gerade mal 6 Jahre alt war. An unglaubliche 10 Gänge bei Christian Penzhorn im Monkeys West, an die künstlerische japanische Küche im Nagaya, oder allerhöchste Küchenkunst mit 3 Sternen bei Joachim Wissler. 
Was ich dabei nie hatte: eine Hemmschwelle, ein elegantes Restaurant zu betreten. Wieso auch?

victorian-duesseldorf-hummer-champagner

Zuletzt bin ich der Einladung vom Restaurant Victorian in Düsseldorf gefolgt.
Ein Restaurant, das schon lange auf meiner Liste stand. Als Düsseldorferin kennt man das Victorian als eine Institution. Immerhin gibt es das Restaurant an der Königsallee seit gut 30 Jahren. 
Für mich war es immer das Lieblingsrestaurant von Königin Silvia von Schweden. Ob das stimmt oder nicht, weiß ich nicht, aber unter den Düsseldorfern hält sich diese Anekdote hartnäckig.

Im August diesen Jahres wurde das Restaurant neu und modern umgestaltet. Und endlich habe auch ich es geschafft, in den Genuss zu kommen. Mit meiner besten Freundin Eva haben wir unser Weihnachtsessen dieses Jahr dort gefeiert. Ich verrate euch schonmal so viel: wir waren die wohl letzten Gäste des Abends und haben Tränen gelacht. Spaß im Sternerestaurant – geht nämlich doch!

victorian-duesseldorf-piano-bar

Obskure Vorstellungen vom Hören-Sagen erwecken Szenen, in denen nur anzutragende Bankdirektoren 60+ oder reiche Charity-Ladies in solchen Restaurants zu treffen sind. Nun, um ganz ehrlich zu sein: ja, manchmal werdet ihr diese Charaktere dort antreffen.  Lächeln, winken (naja, das vielleicht lieber nicht) und sich weiter am köstlichen Essen erfreuen.

Auch um die Benimmregeln in einem Sternerestaurant kursieren allerhand Gerüchte.
Ganz vorn dabei: man darf niemals vom Teller eines anderen (und sei es der eigene Partner) naschen. 
Find ich vollkommen unsinnig. Ich bin neugierig, ich möchte soviele kulinarische Eindrücke sammeln, wie ich nur kann und vor allem möchte ich den Genuss doch mit meinem Gegenüber teilen. Demonstrativ haben wir also gegenseitig von unseren Tellern probiert, wie provokant, und man sehe und staune: wir leben noch. 
Scherz beiseite, natürlich ist es angemessen, ein paar Benimm-Regeln zu befolgen und auch der Umgang mit verschiedenem Besteck (Hummerzange, Fischgabel, Gourmetlöffel) ist hilfreich. Aber ihr würdet in jedem anderen Restaurant ja auch nicht die Serviette in den Kragen stecken und mit den Fingern essen, oder? Deswegen mache ich mir da keine Sorgen.

victorian-duesseldorf-kueche

victorian-duesseldorf-tische

Voller Vorfreude auf einen gelungenen Abend bummelten wir noch eine Runde über die weihnachtlich dekorierte Königsallee hin bis zum Victorian. 
Ich war direkt zu Beginn begeistert: als Aperitif gab es meinen Lieblings-Champagner, Gosset. (Ja, es ist herrlich dekadent, einen Lieblingschampagner zu haben.) 
Uns wurde warmes Brot (für mich zwei verschiedene Sorten glutenfreies Brot) serviert, dazu Olivenöl, eine Creme und grobes Meersalz. In einer gemütlichen Ecke an der Bar nehmen wir uns also erst einmal in aller Ruhe die Speisekarte vor. Eines meiner liebsten Hobbys: Speisekarten lesen.

Die Entscheidung fiel uns gar nicht leicht.
Lamm? Gans? Wären ja perfekt für die Jahreszeit. Aber der Hummer und Kabeljau klingen auch fantastisch. Das gleiche wollen wir nicht bestellen, schließlich möchten wir soviele Eindrücke sammeln, wie es nur geht. Nach einigem Überlegen und kleiner Empfehlung durch die charmanten Mitarbeiter konnten wir uns doch noch entscheiden.
Aber bevor unsere Vorspeisen serviert wurden, kam noch ein nicht ganz so kleiner Gruß aus der Küche: das Tatar vom Weideochsen mit gelierter Ochsenessenz und Mark. Das Tatar war hervorragend, die Portion fernab von jeglichen Vorurteilen wirklich groß.

victorian-duesseldorf-speisekarte

victorian-duesseldorf-amuse-bouche

Unsere Vorspeisen sahen aus wie gemalt. Etwas, das ich an Sternerestaurants so liebe.
Es ist mein Beruf, Essen schön aussehen zu lassen. Hier bekomme ich neue Inspiration, frische Ideen und erfreue mich daran, diese kleinen Kunstwerke zu genießen.
Mein St. Maure Ziegenfrischkäse kam mit roter Bete, Honig und Thymiangranitée. Eine herrliche Kombination, die ich gerne jeden Mittag essen würde.
Eva wollte unbedingt den Hummer probieren, der mit Mango, Curryeis und Avocado einfach perfekt war. 

victorian-duesseldorf-rote-bete

victorian-duesseldorf-hummer-champagner

Beim Hauptgang entschied ich mich für den Kabeljau mit Kartoffelstampf, Eva für die Gans – klassisch mit Rotkohl und Klößen.
Beim Wein begeben wir uns ganz in die Hände von Master-Sommelier Santos Düster. Das macht richtig Spaß, denn der Mann versteht was von Wein – selbstredend. Man probiert einen, vielleicht zwei Weine, sagt was man mag und nicht mag und schon kommt er mit dem perfekten Wein um die Ecke. Ganz ehrlich, mit mallorquinischen Weinen lag ich bisher nie richtig – dieser hier schmeckte mir hervorragend. Ich war auch hellauf begeistert, als Santos zur Gans einen Lagrein empfahl.

weinregal-victorian

victorian-duesseldorf-kabeljau-weißwein
Durch die offen gestaltete Küche kann man Küchenchef Mathias Hein und seinem Team bei der Arbeit zusehen. 
Auch die Bar ist großzügig gestaltet – nicht ohne Grund, denn bevor wir uns dem Dessert widmen, mixt uns der Barkeeper noch zwei Eigenkreationen.
Meine schmeckt wie flüssiges Tiramisu und einfach himmlisch. Evas gelber Cocktail schmeckt nach Maracuja, Vanille und nach Sommer. Auch wenn wir bereits pappsatt sind, diese beiden flüssigen Glücklichmacher können wir einfach nicht umkommen lassen. 

victorian-duesseldorf-cocktails

Ich habe ja letztens schon geschrieben, dass ich ja gar nicht mehr so ein großer Dessert-Esser bin.
Was ich aber wundervoll finde, sind hausgemachte Pralinen. Die gibt es auf der Dessertkarte des Victorian, wobei Pralinen eine leichte Untertreibung wäre. Ein Mini-Magnum, verschiedene Trüffel und ein kleiner Schokokuchen befinden sich in meiner Pralinenschachtel. Eva bekommt ihr Dessert gleich auf zwei Tellern serviert: Crème Brûlèe, von der ich mindesten die Hälfte löffle, Vanille-Kokoseis, Ananaschutney.
Wir trinken noch einen guten Espresso, quatschen und bemerken gar nicht, dass wir so langsam die letzten Gäste sind. Wir haben uns ganz offensichtlich sehr wohl gefühlt.

victorian-duesseldorf-dessert-cocktail

victorian-duesseldorf-dessert
Zuletzt noch ein Thema, dass sicher eine ebenso große Rolle spielt wie das Essen selbst: die Preise. 
Ja es stimmt, man kann in Sternerestaurants Unsummen für ein Menü ausgeben. 
Im Fall des Victorians war ich unglaublich überrascht. Eine Vorspeise für 13,- €,  Kabeljau für 26,- €, eine Crème Brûlèe für 9,- €. Das zahle ich in jedem anderen guten Restaurant auch. Ein mehr als faires Preis-Leistungs-Verhältnis. Für Düsseldorf erst recht.
Ich freue mich, das Victorian endlich für mich entdeckt zu haben und komme gerne wieder!

Mein Tipp also: macht euch nicht soviele Gedanken sondern genießt einfach. Selbstbewusstsein ist sexy und ihr seid, egal ob 15, 25, 35 oder 55 in einem Sternerestaurant genauso willkommen wie beim Italiener um die Ecke.
Natürlich macht es Spaß, diesen Besuch zu zelebrieren, sich besonders schick zu machen und sich mal etwas zu gönnen. Ihr habt es euch verdient!

Habt ihr eine Hemmschwelle, Sternerestaurants zu betreten? 

Vielen Dank an das Restaurant Victorian für diesen wunderbaren Abend.

Das könnte dich auch interessieren:

4 thoughts on “Restaurant-Tipp: Das Restaurant Victorian in Düsseldorf.

  1. Sehr schöner Artikel! Da bekommt man direkt Hunger.
    Du hast einen sehr schönen Blog. Ich werde dich auf meinem Blog erwähnen, wenn es dir nichts ausmacht. 🙂
    LG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.