Ich hatte schon lange beschlossen: wenn ich mal in Oslo sein sollte, oder sonstwo in Norwegen, dann muss ich Bergen einen Besuch abstatten.
    Einem kleinen Ort in Norwegen – dachte ich. Tatsächlich ist Bergen die zweitgrößte Stadt Norwegens. Auch bekannt als die Stadt, in der es 360 Tage im Jahr regnet. 
    Ich hatte etwa einen Tag Zeit, die Stadt zu erkunden.
    Perfekt, um euch einen 24 h-Guide zusammen zu stellen!

    24 Stunden in Bergen

    8:30 Frühstück
    Zum Frühstück habt ihr die Wahl aus zahlreichen hübschen Cafés. Ich entscheide mich für Godt Brod, nicht zuletzt, weil ich hier auch glutenfreies Knäckebrot aus Samen und Nüssen bekomme. 

    Godt Brod
    Vetrlidsalmenningen 19

    9:30 Ab in’s Museum
    Das KODE ist eins der größten Museen in Skandinavien und teilt sich auf in KODE 1 bis 4. Das Museum beherbergt einige Werke von, Picasso über Paul Klee bis zu Edvard Munch. Dabei unter anderem eine Tintenzeichnung von seinem weltberühmten Werks Der Schrei.
    Wer noch nicht genug Kultur hat, kann noch im Hanseatischen Museum vorbeischauen und etwas über die Stadt im Mittelalter lernen.

    Und sogar ein Edvard Grieg Museum gibt es (ihr wisst schon, Peer Gynt! Jetzt hab ich einen Ohrwurm!). 

    KODE
    Rasmus Meyers allé
    5015 Bergen

    Hanseatisches Museum
    Finnegården 1A
    5003 Bergen

    Häuserdächer in Bergen
    12:00 Raus auf’s Meer
    Seeluft tut gut und macht den Kopf frei. Und ich liebe es, über’s Meer zu flitzen, je schneller desto besser. Seekrank? Kenn ich (bisher noch) nicht. Für mich darf eine Schiffsfahrt auf dem Meer deswegen nicht fehlen. 

    Von Bergen aus kann man verschiedene Rundfahrten durch die Fjorde machen.
    Einige halten am Freilichtmuseum Gamle Bergen oder fahren eine der Inseln an. Wir steuern die Inselkommune Austevoll an, und kehren dort zum Mittagessen ins Bekkjarvik Gjestgiveri ein, wo  Ørjan und Arnt Johannessen frische und regionale Küche auf den Tisch bringen. 

    Norwegen Meer

    Bekkjarvik Gjestgiveri

    Inselgruppe Austevoll


    15:30 Zurück in Bergen und hoch über die Stadt 
    Auf den Hausberg Fløyen hat man einen traumhaften Überblick über die ganze Stadt. Man kann entweder durch das zauberhafte Villenviertel den 320 m hohen Berg erklimmen (klingt jetzt viel dramatischer als es ist) oder mit dem Floibanen Funicular, einer Seilbahn, hinauf fahren. In nur weniger als 10 Minuten ist man oben.

    Zumindest runter sollte man aber laufen, denn vor allem am Nachmittag zeigt sich das Villenviertel mit seinen hübschen Häusern und Gassen von seiner schönsten Seite.

    Floibanen
    Vetrlidsallmenningen 21
    5014 Bergen

     Häuser in Bergen

    Der Berg Floyen in Bergen

    Villenviertel in Bergen
    16:30 Kaffee trinken und Zimtschnecken essen
    Ein Muss in Skandinavien: Zimtschnecken.
    In Norwegen heißen sie Skillingsbolle – und nein, ich habe keine Ahnung, wie man das ausspricht! Wir kehren ins Café Colonialen im Litteraturhuset ein, wo die Zimtschnecken so groß wie mein ganzes Gesicht sind.
    Aber auch die anderen Cafés klingen vielversprechend, vor allem das kleine Det Lille Kaffeekompaniet ist ein Besuch wert.

    Tipp für Kaffeejunkies: Schlagt lieber jetzt zu. Nach dem Abendessen trinken die Norweger nämlich nur Filterkaffee. Espresso nach dem Essen gibt es hier nicht.

    Café Colonialen
    Østre skostredet 5-7

    Kafemisjonen
    Øvre Korskirkeallmenning 5
    5017 Bergen

    Bar Barista
    Øvregaten 12
    5003 Bergen

    Det Lille Kaffekompaniet
    Nedre Fjellsmauet 2
    5018Bergen

     

    Kaffeetrinken in Bergen
    17:00 Design entdecken und Shoppen

    Ein bißchen Shoppen muss sein. Mich zieht es von Design Shop zu Design Shop.
    Das können die Skandinavier ja bekanntlich ziemlich gut und ich könnte ein Vermögen in Teller, Tassen und Küchenzubehör investieren.
    Das Zentrum stellt das Kaufhaus Galleriet dar. Von dort aus lässt man sich am besten treiben und entdeckt vor allem die kleineren Shops in den Seitenstraßen.

    19:00 Den Ausblick auf Bryggen genießen 
    Ein UNESCO Weltkulturerbe und gleichzeitig der Blick, der sich Ankömmlingen in Bergen per Schiff seit hunderten Jahren bietet: die Hafenpromenade Bryggen. 
    Einst war Bergen das Zentrum des Handels in Norwegen, die bunten Kontorhäuser schmücken noch heute die Stadt und beherbergen Museen, Bars und kleine Shops.

    Bergen bei Sonnenuntergang

    UNESCO Welterbe Bryggen
    20:00 Abendessen im Restaurant Lysverket
    Wir kehren wieder genau dorthin, wo wir unseren Tag begonnen haben. Ins KODE Museum. Hier befinden sich nicht nur Kunstwerke, sondern auch eines der besten Restaurants der Stadt, das Lysverket.
    Die Einrichtung ist genau meins und auch mit meiner Glutenintoleranz weiß Chefkoch Christopher Haatuft souverän umzugehen. Das Menü bereitet er mit regionalen Zutaten zu, natürlich mit viel frischen Fisch. Aber auch Sanddorn, Liebstöckel und sauer eingelegte Möhren finden ihren Weg auf den Teller. Mein unangefochtener Favorit: Das Safran-Buttermilch-Eis. Der Wahnsinn.
    Aber auch der Lengfisch (den ich felsenfest für Kabeljau hielt) mit dem geflammten Weißkohl war fantastisch.
    Ein grandioser Abschluss für den perfekten Tag in Bergen.

    Dinner im Restaurant Lysverket

    Restaurant Lysverket

    Menü im Restaurant Lysverket
    Bar im Restaurant Lysverket

    Übernachten in Bergen
    Geschlafen habe ich im Det Hanseatiske Hotel und kann es nur empfehlen.
    Zentraler geht es nicht. Hier wohnt man in den historischen Mauern, die zum Hanseatischen Museum gehören. Die Zimmer sind klassisch eingerichtet, viele haben eine frei stehende Badewanne. Das Frühstücksbuffet ist klein aber fein.
    Direkt im Hotel gibt es auch eine schöne Bar und ein angrenzendes Restaurant. Absolut empfehlenswert!

    Det Hanseatiske Hotel
    Finnegården 2A
    5809 Bergen


    Falls ihr noch mehr wissen wollt…Eine Seite von Bergen, die in keinem Reiseführer steht.

    So, nun kennt ihr Bergen, wie ich es kennen gelernt habe. Und das ist auch gut so! 

    Bis zu meinem Besuch, war Bergen in meinem Gedächtnis nämlich nicht als pittoreske Hafenstadt mit fantastischem Essen verankert. 
    Nein, Bergen war einst, so in den 90ern, die Black Metal Hauptstadt. Nicht dass ich jetzt jeden Tag nonstop Black Metal hören würde. Um Himmels willen, nein!
    Aber ich mache ja kein Geheimnis daraus, dass ich mal eine Hardcore Gothic-Phase hatte (jaja, Jugendsünden), selbst in einer Metal Band gespielt habe (ziemlich spaßige Jugendsünde) und im Zuge dessen sammelt man natürlich viel mehr oder weniger unnützes Wissen über die Entstehung und Kultur dieser Musikrichtung an.

    Jedenfalls hat mich dieses kleine Örtchen Bergen, dort ganz im Norden Norwegens, fasziniert. Was hat es an sich, dass es die höchste Dichte an Black Metal Bands hervor brachte? Das Menschen dazu bringt, Kirchen anzuzünden (ja, auch das steht im Zusammenhang mit dieser Kultur und ich distanziere mich davon ausdrücklich. Die schönen Kirchen!) Ich musste das einfach wissen. 

    Nun, viele Jahre später kann ich überzeugt sagen: Ich verstehe es bis heute nicht.
    Die Bergener sind mir als ausgesprochen freundliche, offene Menschen begegnet, das Wetter war gut, die Stadt sehr gepflegt.
    Also, ich entlarve hiermit den Black Metal Mythos als überholt und durfte Bergen als die Stadt, wie sie heute ist, kennenlernen: pittoresk, bunt und voller frischer Meeresfrüchte an allen Ecken!

    Ausblick auf Bryggen
    Achja, noch ein kleiner Bergen-Tipp zum Schluss:
    Wasserfeste Schuhe und Schirm nicht vergessen!
    Auch wenn ich Bergen an zwei wunderbar sonnigen Tagen erleben durfte – das ist wohl eher die Ausnahme.
    Bergen hat den höchsten Niederschlag in Europa. Ob das zum Black Metal führte…? Ob das Make Up der Black Metal Musiker deswegen immer so verwischt ist und von
    den Augen herunter läuft?
    Ich werde es wohl nie erfahren! Auch egal, die Stadt bleibt mir ab jetzt ohnehin für gutes Essen, hübsche Gassen und ihre herrliche Umgebung im Gedächtnis.

    Ein Tag in Bergen, Norwegen