Endlich geht’s weiter mit meiner Serie über meinen Job als Foodstylistin.
    Irgendwie paradox, wenn man vor lauter Foodstyling nicht mehr zum Schreiben über das Foodstyling kommt, oder? 

    foodstyling beruf

    Nachdem ich euch in Teil 1 die Frage beantwortet habe, was eine Foodstylistin eigentlich macht (und nicht macht) und in Teil 2 etwas über den Weg zur Foodstylistin erzählt habe, geht’s heute etwas praktischer zu. Heute zeige ich euch, warum es an meinem Arbeitsplatz bisweilen mehr wie in einer Apotheke oder einem Chemielabor aussieht, als in einer Küche. 

    foodstyling werkzeug

    Manchmal sieht es bei mir aus wie in einer Apotheke…
    Einige meiner Foodstyling-Utensilien stammen aus der Apotheke. Ich muss ehrlich sagen, ich habe immer noch ein komisches Gefühl dabei, in die Apotheke zu gehen und mir Spritzen mit verschiedenen Kanülen zeigen zu lassen. Dazu noch obskure Bestellungen wie Glycerin oder Lezithin und der skeptische Blick des Apothekers ist mir sicher.

    Was der Apotheker nicht weiß, ihr jetzt aber schon:

    Spritzen
     – sind absolut notwendig, wenn ich mit Soßen arbeite. Ob die Mayonnaise auf dem Burger oder die Sahnesoße über der Pasta, mit einer Spritze bekomme ich jede Soße genau da hin, wo ich (bzw. der Kunde) sie haben möchte. Ganz dünne Kanülen benutze ich, um Wassertropfen auf Gemüse zu setzen.

    Glycerin –  
    benutze ich wiederum als Wasserersatz, weil es nicht tropft und an Ort und Stelle bleibt.

    Eisspray – nehme ich aus der Apotheke gerne mit. Einerseits, um Lebensmittel zu frosten, andererseits, weil ich manchmal ein ganz schöner Tollpatsch bin.

    Skalpell – schneidet extrem präzise bei kleinteiligen oder empfindlichen Lebensmitteln. Ich schneide z.B. Panaden mit einem Skalpell auf, um sie nicht zu zerbrechen.

    Einmalhandschuheschützen meine Hände vor den Lebensmitteln und die Lebensmittel vor mir. Heute waren sie leider leer, weswegen meine Finger gerade stark nach einer Mischung aus Zwiebeln, Bratfett und Schweinenackensteak stinken. Notiz an mich: kauf endlich neue Handschuhe!

    foodstyling equipment

    Manchmal sieht es bei mir aus wie im Bauhaus…
    Ein paar meiner Arbeitsmaterialien stammen auch aus dem Bauhaus. Vor allem finde ich dort aber Kisten, um all meinen Kram aufzubewahren und zu sortieren. Da ein Foodstylist nicht immer am gleichen Ort arbeitet, müssen sämtliche Arbeitsmittel mobil sein. Manch einem Foodstylisten reicht eine Messertasche und eine Kiste mit dem Notwendigsten. Andere Foodstylisten bauen regelrechte Türme voll mit abgefahrenem Kram. Werkzeugkisten sind in jedem Fall eine gute Wahl, um seine Arbeitsmaterialien geordnet und kompakt zu transportieren.

    Drähte in verschiedenen Stärken brauche ich, um Lebensmittel wie Würstchen in Form zu bringen.  

    Nadeln – helfen mir, die Tomatenscheibe am Burgerbrötchen zu fixieren.

    Sekundenkleber – der auch auf feuchten Oberflächen klebt. Ein absolutes Muss für mich. Damit stelle ich sicher, das Nudeln in Form bleiben oder klebe zerbrochenes Fischfilet wieder zusammen.

    Vasen im Miniatur-Format – versorgen Kräuter mit Wasser, damit sie im warmen Fotolicht nicht welken. 

    Klarlack – brauche ich eher selten, aber wenn es denn mal sein muss, imprägniere ich damit z.B. Gläser oder versiegle Oberflächen. 

    foodstyling airbrush

    Manchmal sieht es bei mir aus wie in einem Atelier…
    Viele tolle Dinge finde ich auch beim Künstlerbedarf. Manchmal stöbere ich auch einfach nur durch die Regale und lasse mich überraschen. Es kommt durchaus vor, dass ich etwas mitnehme, ohne genau zu wissen, wofür ich es brauchen könnte. Oft entwende ich Werkzeug und Zubehör von seinem eigentlichen Zweck und setze es für etwas völlig anderes ein. 

    Kohle – zaubert mir im Nu eine Grill-Optik auf Fleisch und Gemüse.

    Spatel – eignen sich wunderbar, um Cremes an Ort und Stelle zu bringen. 

    Airbrush-System – mit dem ich Frittiertem die richtige Bräune verpasse sowie die dazu passenden Farben und Stifte.

    Pinsel – in bester Qualität, deren Härchen nicht am Essen festkleben.

    zwilling messer

    Und manchmal sieht es bei mir aus wie in einer Küche…
    Wenn ihr euch jetzt fragt, was der Job eines Foodstylisten überhaupt noch mit Kochen zu tun hat, kann ich euch beruhigen. Scharfe Messer, gute Pfannen und ein paar clevere Küchenhelfer sind immer noch das Wichtigste beim Foodstyling.
    Habt ihr schonmal versucht, Fleisch in einer Pfanne ohne ordentliche Wärmeverteilung zu braten? Oder eine Tomate mit einem stumpfen Messer zu schneiden? Ich schon. Kein Spaß, sag ich euch.

    Messer – seit ich mit den Produkten von Zwilling arbeite, bin ich rundum zufrieden. Sie sind hochwertig und professionell genug, um hervorragend und exakt damit arbeiten zu können, liegen aber preislich auf einem Niveau, bei dem ich keine Angst haben muss, sie täglich zu benutzen und auch mal höheren Belastungen auszusetzen.

    Pfannen und Töpfe – eigentlich selbstverständlich. Wichtig hierbei ist wie gesagt eine gute Qualität, die ständiges Braten, abwaschen, erhitzen und wieder abkühlen aushält.

    Mobile Herdplatte – bei manchen Foodstyling-Jobs soll zwar gekocht werden, es ist allerdings keine Küche vorhanden. Für diesen Fall brauche ich eine mobile Herdplatte, um auch an den ungewöhnlichsten Orten kochen zu können.

    Mandoline – ein toller Küchenhelfer, der mir Gemüse fein hobelt oder in schöne Formen schnitzt.

    foodstylist beruf

    Meine Top 5 Must-Haves für Foodstylisten…
    Hättet ihr gedacht, das man als Foodstylistin so viel Kram benötigt?
    Dass ich in der Apotheke, im Bauhaus und im Künstlerbedarf einkaufen gehe?
    Dazu sei noch gesagt, dass sich so eine Foodstylisten-Ausstattung über viele Jahre aufbaut. Da ich noch relativ frisch dabei bin, hält sich mein Werkzeugfundus noch in Grenzen. Man startet mit einer gewissen Grundausstattung und sammelt mit der Zeit immer mehr an. Vielen Dank an dieser Stelle an Zwilling, die mich für meine Arbeit mit ihren Produkten ausstatten.

    Zum Abschluss hab ich euch nochmal meine persönlichen Top 5 Must Haves aufgelistet.

    1. Küchenrolle. Ohne geht einfach gar nichts. Aufwischen, abwischen, abtrocknen, einwickeln, transportieren, als Unterlage, als provisorische Schürze, zum Hände abwischen. Wenn keine Küchenrolle da ist, kann ich nicht arbeiten.

    2. Pinzette. Wo ist meine Pinzette? Der Satz fällt mindestens 3 mal pro Tag. Ein Pfefferkorn ist in der Soße gelandet, wo es nicht hinsoll, ein Kräuterblatt muss vorsichtig auf das Gemüse gelegt werden – für manche Handgriffe sind die Hände einfach zu grob.

    3. Öl. Macht eingetrocknetes Fleisch und Gemüse im Nu wieder frisch, als käme es gerade eben aus der Pfanne. Fast alles pinsle ich vor dem finalen Foto nochmal mit Öl (oder auch Wasser) ein, damit es knackig frisch aussieht.

    4. Scharfe Messer. Eigentlich offensichtlich, aber genauso wie nach meiner Pinzette suche ich auch mindestens 3 mal täglich ein ordentliches Messer.

    5. Töpfe, Schüsseln, Schälchen. Wie ein guter Koch bereitet ein Foodstylist seine Arbeitsschritte akribisch vor. Bevor es ans Kochen geht, wird geschnippelt, geschält, gehackt. Alle benötigten Zutaten werden in kleine Schüsseln gefüllt und sind bereit wenn man sie braucht. Ein Mise en Place wie aus dem Bilderbuch erleichtert die Arbeit enorm.
    Ich hoffe, der Einblick in meine Werkzeugkiste hat euch gefallen und vielleicht auf die ein oder andere kreative Idee gebracht! Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt mir doch an blog@foodlovin.de oder hinterlasst mir hier einen Kommentar.

    Im nächsten Teil nehme ich euch einen ganzen Tag mit zur Arbeit!
    Ich zeige euch, wie ein Arbeitstag als Foodstylistin aussieht.