Tipps zur Rezeptentwicklung und ein nussig-fruchtiger Hirsesalat

Mal ehrlich: Wärt ihr auf die Idee gekommen, Schinken und Ananas auf einen Pizzaboden mit Tomatensoße zu legen und mit Käse zu bestreuen? Klingt im ersten Moment etwas absurd und nicht wirklich lecker, aber die Pizza Hawaii darf auf keiner Pizza-Karte fehlen.
Salat mit Birne und Ziegenkäse geht uns ganz leicht von den Lippen und wandert ab in den Mund. Wärt ihr drauf gekommen?
Heute möchte ich euch zeigen, wie ich bei der kreativen Rezeptentwicklung vorgehe und dabei immer wieder ungeahnte Geschmackskombinationen entdecke.

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Als Beispiel nehmen wir uns einen nussig-fruchtigen Hirsesalat mit gerösteten Topinambur-Chips, Haselnüssen, Himbeeren, getrockneten Aprikosen und einer Orangen-Thymian-Vinaigrette. Schmeckt bombenmäßig und ist ganz nach unserem Januar-Motto „frisch, leicht und lecker“ gesund und voller guter Zutaten.

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Ich bekomme von Lesern und Freunden oft zu hören: Da wäre ich nie drauf gekommen und es schmeckt sooo gut. Wie kommst du immer auf solche Rezeptideen?

1. Ich hatte immer schon ein Faible für extreme Geschmackskombinationen.
Für mich gibt es kein das macht man so aber nicht oder das gehört da aber nicht rein.
Mir macht es unvergleichlichen Spaß, neue Aromenkombinationen zu entdecken. Ich erinnere nur an mein Kaffeerisotto mit Kardamom und Ziegenkäse. Das Buchweizenrisotto mit Pilzen und Blaubeeren. Die Pastinaken-Aprikosensuppe mit Vanilleöl. Das sind nur einige meine Aromen-Eskapaden.

2. Ich habe ein Gespür dafür, was gut passt und harmoniert.
Zum Glück, sonst wäre ich eine sehr unkreative Rezeptentwicklerin und recht langweilige Foodbloggerin. Aber auch ich komme manchmal an den Punkt an dem ich mir denke: schon wieder Haselnüsse mit Beeren? Das hatten wir doch schon hundert Mal… Wenn mir keine neue Geschmackskombinationen mehr einfallen, habe ich einen Helfer in der Not. Und der heißt ausnahmsweise mal nicht Google, sondern Geschmacks-Thesaurus. 

3. Ich habe also einen Helfer.
Das Buch hat mich sofort fasziniert.  Neben unglaublich hilfreichen, umfangreichen Hinweisen zu allen denkbaren Geschmackskombinationen findet man darin auch Rezepte und unterhaltsame Anekdoten. Zur Kombination Orange & Thymian erhält man beispielsweise den Hinweis, die Fußnote in Robinson Crusoe nachzuschlagen, in der erklärt wird, wie man aus Orangen, Thymian, einer 45 kg schweren Schildkröte und ein paar Trüffeln einen Eintopf kocht. Herrlich!

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Meist gehe ich bei der Rezeptentwicklung wie folgt vor: Ich habe eine Zutat, mit der ich unbedingt etwas kochen möchte, zum Beispiel Himbeeren. Dazu habe ich im Geschmacks-Thesaurus folgende Kombinationen gefunden:

– Himbeere & Haselnuss
– Himbeere & Aprikose
– Thymian & Orange
– Aprikose & Orange

Ich fange mit nur einer Zutat an und springe dann von Verweis zu Querverweis. Manche Ideen greife ich auf, andere verwerfe ich oder speichere sie mir für ein anderes Rezept ab. So setzen sich Stück für Stück die Komponenten eines Rezepts zusammen.
Als Basis für meinen Salat wollte ich Hirse verwenden, als nussigen, erdigen Gegenspieler zu den süßen Aromen von Himbeere, Aprikose und Orangen. Dazu kam mir Topinambur in den Sinn, geschmacklich irgendwo zwischen süßlich, nussig und erdig – perfekt. Für ein bißchen Crunch – denn auch auf die Textur des Gerichts will geachtet werden – noch ein bißchen roher Rosenkohl. Der bringt auch eine bittere Note als Gegenpol zu den sehr süßen Aprikosen und passt ohnehin fabelhaft zur Haselnuss.

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So, nun haben wir unsere Komponenten: Himbeeren, Haselnuss, Hirse, Topinambur, Orange, Thymian und Aprikose.
Jetzt dürfen wir uns austoben, mit den Aromen spielen. Jetzt beginnt der eigentliche Spaß. 
Wie die Komponenten eingesetzt werden, bleibt ganz eurer Kreativität überlassen. Ich habe die Topinambur als Chips geröstet und die Aprikosen getrocknet verwendet, aus Orange und Thymian eine Vinaigrette gezaubert.
Man kann das ganze auch umdrehen und aus Himbeere und Haselnuss eine Vinaigrette anrühren, den Rosenkohl rösten und frische Aprikosen verwenden. Und schwups hat man ein völlig neues Gericht.
Ist das nicht toll? Unendliche Möglichkeiten, immer wieder etwas völlig Neues zu erschaffen. Das ist es, was mich bis tief in die Nacht wach hält, wenn ich mal wieder darüber nachdenke, wie ich eine Vorspeise am besten zusammen setze. 

Wie geht ihr vor, wenn ihr was Neue in der Küche ausprobieren möchtet? Lasst ihr eurer Kreativität freien Lauf? Haltet ihr euch genau an Rezepte? 

Nussig-fruchtiger Hirsesalat
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Ingredients
  1. 200 g Hirse
  2. 30 g Haselnüsse
  3. 100 g Topinambur
  4. 140 g Rosenkohl
  5. 30 g getrocknete Aprikosen
  6. 100 g Himbeeren
  7. 2 EL Haselnussöl
  8. 3 EL Orangensaft
  9. 1 EL weißer Balsamico
  10. 1 TL Honig
  11. 1 EL abgezupfte Thymianblättchen
  12. Salz und Pfeffer
Instructions
  1. 1. Die Hirse nach Packungsanleitung kochen. Beiseite stellen und abkühlen lassen.
  2. 2. Den Ofen auf 130 °C (Ober- und Unterhitze) vorheizen. Die Topinamburknollen schälen und fein hobeln. Auf einem Backblech mit Backpapier ausbreiten und im Ofen ca. 20-30 Minuten knusprig rösten.
  3. 3. Die Haselnüsse in einer Pfanne ohne Fett anrösten und grob hacken. Den Rosenkohl waschen, die äußeren Blätter entfernen, den Strunk abschneiden und die Röschen in feine Streifen schneiden. Die getrockneten Aprikosen würfeln.
  4. 4. Die Hirse mit den Haselnüssen, Aprikosen, Himbeeren und dem Rosenkohl in einer großen Schüssel mischen. Aus Haselnussöl, Orangensaft, Balsamico, abgezupften Thymianblättchen und Honig eine Vinaigrette rühren und über den Salat geben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  5. 5. Zum Schluss die gerösteten Topinamburchips auf dem Salat verteilen.
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10 thoughts on “Tipps zur Rezeptentwicklung und ein nussig-fruchtiger Hirsesalat

  1. Huhu,

    ja, ich könnte da auch neidisch werden, ich hab immer so ein Brett vorm Kopf wenn es um neue Sachen geht. Ich bekomme es zwar hin, hier und da mal ein neues Brotrezept zu entwickeln, dass total crazy und oberlecker ist, aber dann hört es auch schon auf.
    Aber das Buch von Nike Segnit hab ich auch, ich hab mir viele Verweise drin gemacht und bissl was notiert, ich denke, ich werde es mir mal wieder griffbereit ins Wohnzimmer legen und ab und an wieder reinschauen und hoffen, dass der Funke überspringt 😉
    Danke fürs dran erinnern =)

    LG; Stephi

    1. Hallo Stephi,

      genau dafür ist das Buch genau das richtige, wenn man mal nicht weiter weiß 🙂
      Ich wünsche dir viel Spaß beim kulinarischen rumspinnen 🙂

      Liebe Grüße,
      Denise

  2. Genau, dass ist es worauf es bei der Leidenschaft zum Kochen und Backen ankommt! Ich entwickel Rezepte auch gern neu oder weiter – danke für den inspirierenden Buchtipp und das köstliche Rezept

    Viele Grüße,
    Katrin

    1. Genau, ich kann auch nie die Finger von einem Rezept lassen und muss es immer weiter entwickeln 🙂
      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar 🙂

      Liebe Grüße,
      Denise

  3. Das Buch ist auch in meinem Regal ein echtes Highlight. Zusammen mit dem „Lexikon der Aromen- und Geschmackskombinationen“ von Karen Page und Andrew Dornenburg hat man eine unendliche Inspirationsquelle.
    Sehr gut gefallen mir auch Sternefresser und Trois etoiles. Die meisten Gerichte dort sind zwar naturgemäß sehr kompliziert, grundlegende Kombinationen kann man sich da aber schön abgucken.
    Viele Grüße,
    Oliver

    1. Oh, das Lexikon kannte ich noch nicht! Super Tipp, vielen Dank.
      Bei Sternefresser schaue ich auch gelegentlich vorbei und wenn ich genug Zeit habe, bereite ich auch gerne 10 Komponenten für einen Teller zu 🙂 Sterneküche ist ja schon ein Stück weit meine Leidenschaft 😉

      Liebe Grüße,
      Denise

      1. Die Sterneküche ist eine Leidenschaft, die wir offenbar teilen 🙂 Allerdings merke ich immer wieder, dass sich ab 5 oder 6 Komponenten aufwärts die Spreu (damit meine ich Hobbyköche wie mich) vom Weizen (den Profis) trennt. Bei komplexen Tellern ist für mich die größte Herausforderung, die Komponenten so zu gestalten und zu würzen, dass sie sich harmonisch ins Ganze einpassen. Das finde ich extrem anspruchsvoll, obwohl es bei den Profis mit Stern immer so locker und leicht rüber kommt. Da gibt es – zumimdest bei mir – noch Luft nach oben 🙂
        Viele Grüße,
        Oliver

  4. Was für ein Bombentipp, das Buch brauche ich unbedingt. Vielen, vielen Dank fürs Vorstellen liebe Denise! Jetzt kribbelt es mir richtig in den Fingern und ich muss mich arg zurückhalten, damit ich nicht gleich links in den nächsten Onlineshop abbiege und das Buch schneller als ich gucken kann im Warenkorb landet 😉
    Wie schön es wäre, wenn ich jetzt wenigstens ein eine große Portion deines köstlichen Salats als leckere Ablenkung hätte. 😉
    Liebe Grüße zu dir, Mia

    1. Hallo Mia!

      Wie schön, dass dir mein Tipp so gut gefällt! Ich hab so das Gefühl, früher oder später wandert das Buch doch noch in deinen Warenkorb… 😉

      Einmal Hirsesalat to go für Mia – kommt 😉

      Liebe Grüße und dir noch einen schönen Abend,
      Denise

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